Donnerstag, 11. Januar 2018

Das «Erbe» ausschlagen? Mitnichten!


Wenn die Karawane bellt… - ist dann aller Tage Abend?

Änderungen sind meist spannende Vorgänge. Stabsübergaben sind, wegen der Personenwechsel, nicht nur spannend, sondern manchmal dramatisch und oft sogar eine umstrittene Sache. Der Einfluss der scheidenden und der neuen Person(en) auf die eigene oder die Wahrnehmung anderer kann mit riesigen Unterschieden in der Tiefe (oder Breite) verbunden sein.

Es ist nicht bekannt, wieviele OMs sich beim Erhalt des letzten «Funkamateur»-Heftes heftig auf die Schenkel klopften, aber es werden einige gewesen sein. Ausgelöst wurden die typischen, teils lauten und selten auch schmerzhaften Handbewegungen beim Lesen der «HB9-QTC»-Spalte. Da verabschiedet sich aktuell nämlich ein Herr Doktor mit einem Verweis auf bellende Hunde und dahertrottende Kamele in einer Wüstenlandschaft, wobei er die Antwort schuldig bleibt, ob er sich während der Zeit als «Bearbeiter» [sic!] der Spalte eher als bellenden Hund oder eher als vorbeiziehender Karawanenführer (oder gar nur als Wüstenschiff-Lenker?) sah. Aber eigentlich ist dies auch egal. Der Umstand, dass er seine helvetischen «Bearbeitungen» über Jahre im «Funkamateur» anstelle im «HBradio» einstellte, spricht doch «weiss der Kuckuck» alleine für sich schon Bände.

Nun also hat der Scheidende nach seinen eigenen Worten einen «geeigneten» Nachfolger gefunden! Das wäre grundsätzlich eine gute, wenn nicht sogar eine sehr gute Nachricht, bis man die nachfolgende Auflösung liest. Der geneigte Leser hier wird es schon ahnen – genau, ausgerechnet der QJ (das «Q» steht für «quasi») wurde dafür als «geeignet» klassifiziert und als Nachfolger vorgestellt. Ohne jegliche Kausalität wird man da an eine eher unkontrollierte Äusserung von Christoph Mörgeli an die Adresse von Sandro Brotz in einer «Rundschau»-Sendung erinnert, aber das sei nur am Rande erwähnt. Doch es scheint, dass man dem Scheidenden tröstlich auf die Schulter klopfen sollte und ihm aufrichtend erklären, dass er sein Licht doch wirklich nicht so unter seinen Scheffel stellen muss. So schlecht waren seine «Bearbeitungen» wirklich nicht, wie (er) dies nun den Anschein machen will. Wie auch immer: Adieu, Herr Doktor, alles Gute.

Nun, es wird OMs geben, die mit dieser Nominierung mehr als zufrieden sein werden und Champagner öffnend das Gefühl haben, da sei jemandem ein interessanter Schachzug gelungen, derweil der Grossteil der hier Lesenden überzeugt sein wird, dass mit der Verlagerung der QJ-Schreibereien von CH nach DE das Niveau in beiden Ländern steigen wird. Das will aber mit sehr viel Vorsicht genossen werden, denn es steht nirgends geschrieben, dass die Web-Zeilen des QJs damit aus dem helevtischen www-Radar verschwinden werden. Möglich wäre es zwar grundsätzlich schon, denn wenn diese 2- und 3-Zeiler alsdann zusammengepfercht als Retortenmeldungen im «HB9-QTC» nochmalig erscheinen würden, wäre es ja nur ein Wiederkäuen – und das sollte man doch den Viechern mit mehreren Mägen überlassen. 

Aber man sollte die wirklich positivste Seite dieser Nachfolge sehen: Endlich wird das Geschreibsel des QJ (das «Q» steht für «quasi», wurde dies schon erwähnt?) mit akkurater Datierung konserviert und man kann sich auch Tage, Wochen, Monate und sogar Jahre später schenkelklopfend über die Schnellschüsse, Halbwahrheiten, Sursee-PR und Wunschträumereien erfreuen. Gespannt wird man auch darauf sein müssen, wie der «Funkamateur»-Verlag und sein Chefredaktor auf die sehr wahrscheinlich eintreffenden Gegendarstellungs-Forderungen reagieren wird. Aber auch hier wieder ein Vorteil: Diese werden ja dann wohl in der selben Spalte erscheinen und sie so schon mal zur Hälfte füllen. Auch nicht schlecht und spannend allemal. Auf diese Gegendarstellungen folgen in der Regel dann ja keine weiteren Gegendarstellungen mehr. Also bleibt die Hoffnung nach tatsächlichem, wenn auch nur marginal zu erwartendem Nutz-Inhalt.

Liest man übrigens die wohl selbst verfasste Laudatio für den neuen «Bearbeiter» (war wohl als CV gedacht, aber ist löchriger als ein Emmentaler-AOP-Käse), fragt man sich, ob sich jemand mit CW-Tempo 70 wirklich stolz als «Contester» bezeichnen sollte. Viele OMs hören in solchen Tempi bestenfalls einen Contest-Bremser, aber gut, wir haben alle mal klein bzw. langsam angefangen. Nur haben wir es uns nicht auf die Fahne geschrieben, damit Werbung für uns zu machen. Aber auch die aktuelle berufliche Position lässt Fragen offen: Wenn jemand eine Firma oder Abteilung leitet, dann geht man ja davon aus, dass sich mehrere Personen von der leitenden Person leiten lassen. Wenn es sich aber um eine «One-Man-Show» handelt, wird doch das Wort «leiten» zu einem rein Ego-aufblähenden Begriff degradiert und die ganze Lobhudelei-Hütte kriegt starke Schlagseite. Und um auf die Karawane-Bemerkung des scheidenden Bearbeiters zurückzukommen: Nennt man ein allein umherirrendes Kamel auch schon Karawane?

Bevor aber das Boot unter der Hütte sinkt, warten wir «Funkamateur»-Abonnenten doch mal gespannt ab, was da denn zukünftig den Wert hat, mit Druckerschwärze aufs deutsche Papier gedruckt zu werden. Möglicherweise muss die Redaktion ab übernächster Ausgabe vorsorglich ein wenig Platz für die Gegendarstellungen in der «HB9-QTC»-Spalte zu reservieren. Man weiss ja nie.




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